In einer Welt, die sich ständig verändert und vor komplexen Herausforderungen steht, suchen progressive Pragmatiker nach wirksamen Lösungen. Oft übersehen wir dabei das enorme Potenzial, das in scheinbar alltäglichen Prozessen steckt – zum Beispiel in der öffentlichen Beschaffung. Was wäre, wenn der Staat nicht nur Produkte und Dienstleistungen einkauft, sondern aktiv zum Katalysator für bahnbrechende Innovationen würde? Die gute Nachricht ist: Das passiert bereits, und die Ergebnisse sind beeindruckend.
Aktuelle Studien und Umfragen, wie die europäische Community Innovation Survey (CIS) von 2012 und 2014, beleuchten diesen spannenden Zusammenhang. Sie haben Unternehmen direkt gefragt, ob ihre öffentlichen Verträge Innovationen erforderten. Das Ergebnis ist eindeutig: Firmen, die an solchen innovativen öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, verzeichnen einen deutlichen Schub bei ihrer Innovationskraft und ihren Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Es ist ein einfacher, aber genialer Mechanismus, der zeigt, wie bewusste Kaufentscheidungen die Innovationslandschaft nachhaltig prägen können.
Mehr als nur finanzielle Unterstützung: Ein Katalysator für Fortschritt
Was diese Erkenntnisse besonders spannend macht, ist der Vergleich mit anderen Förderprogrammen. Studien wie die von Guerzoni & Raiteri (2015) oder Caravella & Crespi (2020a) zeigen, dass die Teilnahme an innovationsorientierten öffentlichen Ausschreibungen oft einen stärkeren positiven Einfluss auf die Innovationsleistung von Unternehmen hat als traditionelle Finanzhilfen. Ob es um Produkt- oder Prozessinnovationen geht, um radikale Neuentwicklungen oder inkrementelle Verbesserungen – der Impuls durch öffentliche Aufträge ist spürbar und wirkungsvoll. Auch in Schwellenländern, wie eine Studie von Stojcic et al. (2020) in acht mittel- und osteuropäischen Ländern belegt, führt innovationsorientierte öffentliche Beschaffung (PPI) zu mehr innovativen Verkäufen und stärkt die Innovationsfähigkeit.
Diese Erkenntnis ist nicht unbeachtet geblieben. Die innovationsorientierte Beschaffung ist mittlerweile ein fester Bestandteil des europäischen Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon Europe. Mit beeindruckenden 266 Millionen Euro werden präkommerzielle Beschaffungen (PCPs) und öffentliche Beschaffungen innovativer Lösungen (PPIs) unterstützt. Eine 2021 ins Leben gerufene „Challenge“ zeichnet sogar Beschaffungsverantwortliche aus, die durch enge Zusammenarbeit mit Lieferanten hochwirksame innovative Lösungen umsetzen. Hier geht es nicht nur um Geld, sondern um die aktive Förderung von Best Practices und den Aufbau von Kapazitäten – eine Investition in die Zukunft, die sich auszahlt.
Diese Entwicklung zeigt, wie wir durch strategische und verantwortungsvolle Entscheidungen im öffentlichen Sektor einen nachhaltigen positiven Wandel anstoßen können. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie pragmatisches Handeln, gepaart mit progressivem Denken, eine Win-Win-Situation für Unternehmen, den Staat und die Gesellschaft als Ganzes schafft. Öffentliche Beschaffung wird so vom Verwaltungstool zum Innovationsmotor – ein starkes Signal für eine zukunftsorientierte Wirtschaft.




