Der Blick auf indigene Völker war lange geprägt von Mythen des Verschwindens, von Kulturen, die der Moderne weichen müssten. Doch diese Perspektive ist nicht nur überholt, sie verkennt eine tiefe, unsichtbare Stärke: die Fähigkeit zur beharrlichen Anpassung und Erneuerung. Genau diese Kraft stellt das IndiGen Project in den Mittelpunkt, indem es die Geschichten von Widerstandsfähigkeit und Innovation indigener Gesellschaften neu erzählt und ihre globale Relevanz für das 21. Jahrhundert aufzeigt.
Was dieses Projekt so einzigartig macht, ist sein zutiefst kollaborativer Ansatz, der – selbst inmitten globaler Krisen wie der COVID-19-Pandemie – unbeirrt fortgesetzt wurde. „Die Zusammenarbeit über mehrere Standorte hinweg war entscheidend für den Erfolg“, betont Projektleiter Schorch. Diese grenzüberschreitende Kooperation vereinte indigene und nicht-indigene Künstler*innen, Kurator*innen, Filmemacher*innen und Wissenschaftler*innen aus Amerika, dem Pazifikraum und Europa in einem gemeinsamen Bestreben: zu erforschen und zu formulieren, was es bedeutet, indigene Identität heute zu leben.
Die Früchte dieser Arbeit reichen weit über klassische akademische Publikationen hinaus. Durch Filme, Ausstellungen und digitale Medien erreicht das Projekt ein Publikum, das weit größer und vielfältiger ist, als es reine Fachartikel je könnten. „Die Art und Weise, wie wir gearbeitet haben, und das kulturübergreifende Wissen, das wir erarbeitet haben, spiegeln sich in unseren Veröffentlichungen, Filmen und Ausstellungen wider“, erklärt Schorch und hebt damit hervor, wie wichtig der Brückenschlag zwischen Wissenschaft und breiter Öffentlichkeit ist, um alte Wahrnehmungen nachhaltig zu verändern.
Wege der Weisheit: Identität bewahren, Zukunft gestalten
Gerade in einer Welt, die nach neuen Wegen des Wissens und Seins sucht, sind diese Geschichten von unschätzbarem Wert. Schorch hebt hervor: „Viele indigene Menschen haben es immer verstanden, Neues zu übernehmen und sich anzupassen, ohne dabei ihre Identität und ihr Selbstverständnis zu verlieren.“ Das Projekt schafft einen Raum für genau diese Erzählungen von Widerstandskraft, Flexibilität und Kreativität – Qualitäten, die auch modernen Gesellschaften entscheidende Impulse geben können. Es ist eine Einladung, von jenen zu lernen, die seit Generationen Meister der Anpassung sind, ohne ihre Wurzeln zu kappen.
Indem das IndiGen Project die Grenzen von Kunst, Film, Geschichte, Anthropologie und Museologie überwindet, zeigt es nicht nur, wie indigene Identität im 21. Jahrhundert gelebt und verstanden wird, sondern auch, wie globale Herausforderungen durch interkulturellen Dialog und eine tiefere Wertschätzung alternativer Wissenssysteme angegangen werden können. Es ist eine inspirierende Erinnerung daran, dass wahrer Fortschritt oft in der Fähigkeit liegt, voneinander zu lernen und gemeinsame Zukünfte zu gestalten, die auf Respekt und gegenseitigem Verständnis basieren.




