In einer zunehmend vernetzten Welt ist das Bewahren und Zugänglichmachen des kulturellen Erbes von unschätzbarem Wert. Doch für viele Minderheitengemeinschaften ist dies eine besondere Herausforderung. Ihre Geschichten, Traditionen und Artefakte sind oft fragil, geografisch verstreut oder drohen in der Flut digitaler Inhalte unterzugehen. Genau hier setzt ein inspirierendes europäisches Projekt an: DIGICHer. Es ist eine Initiative, die nicht nur auf technische Innovation setzt, sondern vor allem auf Respekt, Wertschätzung und die aktive Mitgestaltung durch die Gemeinschaften selbst.
Das ambitionierte Vorhaben wird von Beginn an in enger Zusammenarbeit mit drei repräsentativen Minderheitengruppen in Europa entwickelt: den Sámi, dem jüdischen Volk und dem ladinischen Volk. Diese Partnerschaft ist der Schlüssel. Denn nur im Dialog und mit tiefem Verständnis für die spezifischen Bedürfnisse und Werte kann ein digitales Erbe geschaffen werden, das authentisch ist und von Dauer. Darüber hinaus sind gemeinsame Gestaltungsaktivitäten mit Vertretern weiterer EU-Minderheiten geplant, um eine breite Basis an Erfahrungen und Perspektiven zu integrieren.
Ein digitales Erbe für alle: Werteorientiert und respektvoll
Der Ansatz von DIGICHer ist konzeptionell neuartig und zutiefst nutzerzentriert. Es geht darum, evidenzbasierte Empfehlungen zu entwickeln, die dem europäischen Kulturerbe-Sektor helfen, die enormen Potenziale der Digitalisierung voll auszuschöpfen. Dabei steht im Vordergrund, wie Praktiken für Produktion, Management, Austausch und Wiederverwendung des digitalen Kulturerbes von Minderheiten so gefördert werden können, dass sie wert- und kontextorientiert, respektvoll und ethisch verantwortungsbewusst sind. Das bedeutet, dass nicht einfach nur Daten gesammelt werden, sondern Geschichten in ihrem kulturellen Kontext verstanden und bewahrt werden.
Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das reiche jüdische Erbe in Europa, das von materiellen Artefakten bis zu immateriellen kulturellen Formen reicht. Zahlreiche Initiativen, sowohl jüdisch als auch nicht-jüdisch getragen, arbeiten bereits an der Digitalisierung. DIGICHer wird diese Bemühungen bündeln und mit einem übergreifenden ethischen Rahmen versehen, der Missbrauch verhindert und die Wertschätzung für die Inhalte in den Vordergrund rückt. Langfristig ermöglicht dies die Bewahrung, Aufrechterhaltung und Modernisierung des digitalen Kulturerbes auf eine Weise, die den Inhalten gerecht wird und gleichzeitig digitale Praktiken im Einklang mit europäischen Werten fördert.
Das Endergebnis ist mehr als nur eine Sammlung digitaler Daten: Es ist ein Beitrag zur Förderung von Gleichberechtigung, Vielfalt und Inklusion in der europäischen digitalen Kulturlandschaft. Es schafft einen verantwortungsvolleren und demokratischeren Kulturerbe-Sektor, dessen digitale Aktivitäten die gesamte Bandbreite europäischer Weltanschauungen widerspiegeln. So werden die Stimmen der Minderheiten nicht nur gehört, sondern in ihrer ganzen Pracht für kommende Generationen bewahrt und erfahrbar gemacht – eine wahre Bereicherung für unser gemeinsames Europa.




