„Licht aus. Klack.“ Diese düstere Vision, die am Ende einer wichtigen Jugendstudie stand, hallt nach. Doch anstatt uns von ihr einschüchtern zu lassen, verstehen wir sie als Weckruf. Denn sie fordert uns auf, genau hinzuschauen: Wie denken junge Menschen in Europa wirklich über ihre Identität, ihre Kultur und ihre Zukunft?
Ein Blick in die Herzen junger Europäer
Die TUI Stiftung und YouGov wagten 2017 einen umfassenden Blick hinter die Kulissen der jungen europäischen Seele. In sieben Ländern befragten sie 6.000 Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Die zentrale Erkenntnis: Ein Grossteil identifiziert sich primär mit der eigenen Nationalität. Deutsche fühlen sich zuerst als Deutsche, Griechen zuerst als Griechen – erst danach als Europäer. Lediglich drei Prozent sehen sich ausschließlich als Europäer. Für viele, insbesondere in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Polen und Italien, ist die europäische Identität noch eine fremde Idee.
Mehr als nur Grenzen: Die Suche nach gemeinsamer Kultur
Die Studie beleuchtete auch die Frage nach einer gemeinsamen Kultur. Nur 18 Prozent der jungen Europäer glauben an sie. Diese Zahlen sind keine Anklage, sondern vielmehr eine nüchterne Bestandsaufnahme. Sie zeigen uns eine Realität, die wir nicht ignorieren dürfen. Sie sind ein Auftrag, Europa nicht als selbstverständlich zu betrachten, sondern als ein fortwährendes Projekt, das stetiger Pflege und Erneuerung bedarf. Es geht nicht darum, nationale Identitäten zu verwischen, sondern darum, eine Ebene der Verbundenheit zu finden, die diese ergänzt und bereichert.
Ein Weckruf für Europa: Sinn und Werte neu beleben
Die Gefahr, die der Studienleiter Dr. Thomas Ellerbeck benennt, ist real: Eine orientierungslose EU könnte die junge Generation in Richtung Nationalstaat abdrängen. Doch darin liegt auch die Chance. Es ist ein Auftrag, Europa „mit Sinn, Leben und Werten zu füllen.“ Es geht darum, konkrete Antworten auf die Frage zu finden, wofür die EU steht, und diese Antworten gemeinsam mit jungen Menschen zu entwickeln. Lassen wir uns von dieser Studie inspirieren, den Dialog zu suchen, Brücken zu bauen und die europäische Idee wieder mit einer klaren, zukunftsgewandten Positionierung zu versehen. Nur so können wir sicherstellen, dass das Licht in Europa nicht erlischt, sondern heller strahlt denn je – getragen von einer Generation, die ihre Heimat in einem vielfältigen, lebendigen Europa findet.




