„Wir sind hier, wir sind viele und wollen mitgestalten und mitentscheiden." Diese klare Botschaft hallte von März 2017 bis März 2018 durch Europa und vereinte Menschen, die sonst oft überhört werden: die autochthonen nationalen Minderheiten unseres Kontinents. Es war der Startschuss für eine der bemerkenswertesten zivilgesellschaftlichen Bewegungen der jüngeren europäischen Geschichte: die Minority SafePack Initiative (MSPI). Sie ist nicht nur ein Beweis für die Kraft der Solidarität, sondern auch ein leuchtendes Beispiel dafür, wie progressive Pragmatiker gemeinsam Wandel herbeiführen können.
In einer beispiellosen Demonstration europäischer Verbundenheit gelang es, über 1,2 Millionen Unterschriften für den Erhalt und Schutz der sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas zu sammeln. Es war ein monumentaler Akt des zivilen Engagements, der zeigte: Die Anliegen von Minderheiten sind keine Nischenthemen, sondern Herzstücke unserer gemeinsamen europäischen Identität. Diese Menschen, die oft als marginalisiert gelten, bewiesen eine beeindruckende Fähigkeit zur Selbstorganisation und zur Artikulation ihrer Bedürfnisse – nicht nur für sich, sondern für ein reiches, vielgestaltiges Europa.
Ein Wendepunkt in Brüssel
Der Weg dieser Bewegung führte direkt ins Herz der europäischen Entscheidungsfindung. Am 15. Oktober 2020 erlebte das Europäische Parlament eine Anhörung, bei der eine überwältigende Mehrheit der Abgeordneten ihre nachdrückliche Unterstützung für die Forderungen der MSPI zum Ausdruck brachte. Was folgte, war ein historischer Moment: Am 17. Dezember 2020 verabschiedete das Parlament mit einer großen Mehrheit von 524 zu 694 Stimmen eine Resolution zur Unterstützung der Initiative. Die MSPI ist damit die allererste Europäische Bürgerinitiative, die nicht nur eine Plenardebatte initiierte, sondern auch zu einer erfolgreichen Resolution führte. Ein klarer Sieg für die Demokratie von unten und ein Signal an alle, die glauben, ihre Stimme zähle nicht.
Diese positive Entwicklung ist weit mehr als ein bürokratischer Erfolg. Sie bestätigt, dass es gemeinsam gelungen ist, den Entscheidungsträgern in Brüssel und in den Staaten Europas zu vermitteln: Diese Minderheiten leisten einen unschätzbaren Beitrag zur sprachlichen und kulturellen Vielfalt Europas. Sie bereichern unsere Gesellschaften, bewahren einzigartige Traditionen und sind Brückenbauer zwischen Kulturen. Gemeinsam mit allen anderen Europäerinnen und Europäern wollen sie die Zukunft der Europäischen Union aktiv mitgestalten – eine Zukunft, in der nicht nur offizielle Landessprachen und vorherrschende Kulturen ihren Platz finden, sondern auch die Identität und das Erbe autochthoner Minderheiten geschützt und gefördert werden. Denn ein reiches Europa ist ein vielfältiges Europa.




